{blogtour} Die Ständegesellschaft im Ancien Régime



Weiter geht es mit der großen Blogtour zum zweiten Band der Marchese-Reise Der Schwur der Schlange. Hier geht es nochmal zur Tourübersicht mit Links zu allen Blogs und hier zur Facebookveranstaltung, in der auch das Gewinnspiel zu finden ist.

Marchese, Gräfin, Fürst - Adelstitel gibt es viele. Doch wer steht über wem und wie sieht es überhaupt mit der Gesellschaftsstruktur zur Zeit des Romans aus?

Das Ancien Regime bezeichnet die politisch-gesellschaftliche Zeit vor der Französischen Revolution, welche 1789 begann. Der erste Marchese Roman Das Gift der Schlange spielt 1785, der zweite Band Der Schwur der Schlange im Jahre 1788. Ihr seht also wir befinden uns in politisch und gesellschaftlich unruhigen Zeiten.


Karte des Heiligen Römischen Reiches 1789 // Link /// Lizenz: CC BY 2.5
In Frankreich herrschte ein absolutistischer König. Die bekanntesten sind sicherlich Ludwig  XIV., der Sonnenkönig und der zur Zeit des Romans herrschende Ludwig XVI.
 Im Heiligen Römischen Reich gab es zwar auch einen Kaiser, aber das Reich selbst war in viele souveräne Territorien geteilt, die von Fürsten, Herzögen oder Bischöfen regiert wurden. Der Kaiser wurde gewählt und als "ideelles" Reichsoberhaupt anerkannt. Er gab gesetzliche Rahmenbedingungen vor, die von den jeweiligen Herzögen, Fürsten, etc. umgesetzt wurden, aber trotzdem hatte der herrschende Adel genügend Spielraum für eigene Verordnungen.
  So auch Sophie, die wir im ersten Band schon kennenlernten und die im zweiten Band Fürstin eines kleinen Fürstentums ist. Allerdings scheint sie dies nicht allzu ernst zu nehmen

"Du bist die Fürstin, Sophie, er ist nur dein Gemahl."
"Und er ist ein wunderbarer Gemahl, Charlotte. Er regiert mein Fürstentum, und ich muss mich um nichts kümmern." Lachend breitete sie die Arme auf der Rückenlehne des Sofas aus.
(Der Schwur der Schlange)

Die Gesellschaft war noch von der feudalen Ständegesellschaft geprägt, wobei die oberen beiden Stände mit ca. 2% der Gesamtbevölkerung in der Unterzahl sind. Die Ständegesellschaft wurde zu früheren Zeiten als gottgegeben angesehen. Auch Gräfin Charlotte sieht die Stände als richtig an.
Jeder wurde nun einmal in seinen Stand geboren.
(Der Schwur der Schlange)

 
Feudale Ständegesellschaft

Kommen wir zum Adel selbst. Meine Recherchen haben ergeben, dass die Rechte und Pflichten sowie die Beschränkungen des Adels landesabhängig sind und die Adelssysteme zwar verglichen, aber nicht gleichgesetzt werden können. Deswegen habe ich für euch in der folgenden Übersicht versucht, die Hierarchie des deutschen Adels zur Neuzeit darzustellen. Allerdings gibt es da soviele Wenns und Abers, dass man darüber ganze Bücher schreiben könnte.

Adelshierarchie

Der Markgraf, wozu man auch den Marchese zählen kann, stehen gesellschaftlich über den Fürsten. In manchen Erklärungen heißt es, dass der Markgraf dem Herzog gleichgestellt ist - zumindest im Heiligen Römischen Reich. Was ich sehr interessant finde. Allerdings erklärt es meiner Meinung nach auch, warum der Marchese mit Fürstin Sophie so umgehen kann wie er letztendlich mit ihr umgeht. Obwohl Unterwürfigkeit passt auch sonst nicht zu seinem Charakter. Übrigens werden die Markgrafen mit Königlicher Hoheit angesprochen. Ich weiß nicht, ob es in Italien auch so ist, aber falls ihr bei Facebook mal Marchese della Motta über den Weg lauft, dann wisst ihr nun, wie ihr ihn ansprechen könntet. 

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