{blogtour} Protagonisteninterview


Hallo ihr Lieben, 


weiter geht es mit der großen Blogtour zum zweiten Band der Marchese-Reise Der Schwur der Schlange. Hier geht es nochmal zur Tourübersicht mit Links zu allen Blogs und hier zur Facebookveranstaltung, in der auch das Gewinnspiel zu finden ist.


Mit steigender Spannung las ich den neuesten Bericht über eine Mission vom Marchese und nun bin ich sehr erfreut darüber, dass mich niemand anderes als Gräfin Charlotte von Rostow höchstpersönlich empfängt.

Verehrte Gräfin, vielen Dank, dass Sie ein klein wenig Ihrer kostbaren Zeit für meine Fragen opfern.

Offenbar stuft sie mich als ungefährlich ein, denn nicht nur die Wachen haben sich außerhalb ihres Arbeitszimmers postiert, sondern sie winkt kurz mit dem Fächer und schickt auch noch ihren Sekretär aus dem Raum. Vielleicht ahnt sie aber auch, dass meine Fragen persönlicher werden, und ihre Antworten nicht für jedes Ohr bestimmt sind. Huldvoll nickt sie mir zu und fordert mich auf, fortzufahren.

Zweieinhalb Jahre sind vergangen, seitdem Fürstin Sophie den Thron bestiegen hat. Mit Enttäuschung habe ich gelesen, dass sie ihre Pflichten als Regentin nicht wahrnimmt. Wie ist es dazugekommen?

Sie sprechen einen Punkt an, der mich in der Seele schmerzt. Der Marchese hatte mich gewarnt, dass Sophie zum Regieren noch nicht bereit sei, doch wie wenig sie die Geschicke ihrer Untertanen interessieren, hätte ich nicht für möglich gehalten. Ich dachte, ich hätte sie zur Fürstin erzogen, doch sie ist nicht so stark wie Maria Theresia von Österreich oder wie die russische Zarin. Sie scheut die Verantwortung und den Widerstand. Macht ist kein Spiel, doch ein Kind will spielen. Sophie spielt mit ihrem Titel und ihrer neuen Macht wie andere mit Murmeln.


Seid Ihr mit der Art und Weise wie Ihr Gemahl Clemens regiert einverstanden?

Er regiert zumindest im Geiste der Schlangen, doch er ist und bleibt nun einmal ein Mann und denkt wie ein Mann. Für Repräsentation und das Militär stellt er stets Mittel zur Verfügung, während noch viel mehr vonnöten wäre, um die Last des Volkes zu lindern. Doch wenigstens ist die Macht der Kirche gebrochen, wenngleich ich mir wünschte, dass sie gänzlich schwindet. In der Gesetzgebung gäbe es vieles nachzubessern, doch ich verstehe, dass das Zeit erfordert. Umso wichtiger wären Gnadenakte der Fürstin.

Auch Eure Stellung am Hof hat sich geändert. Wie hat sich dies auf Euren politischen Einfluss ausgewirkt? Schwächt es die Ziele der Schlangen? 

Die politischen Ziele der Schlangen stehen nicht in Gefahr, dafür haben sie mit Clemens' Wahl gesorgt. Der Vertraute des Fürstgemahls ist Oberst von Murnau, ein redlicher, aufrechter Mann, doch eben ein Soldat. Mein Einfluss ist nicht gänzlich gebrochen, aber ich brauche Murnau als Verbündeten. Zu mir kommen nicht mehr die Kaufleute und reichen Bürger, zu mir kommen diejenigen, die einen weisen Rat und Milde benötigen.

Vienna. Palais Erzherzog Albrecht - Rococco room // Foto: Wolfgang Sauber // Lizenz: CC BY-SA 3.0
So in etwa könnte man sich das Vorzimmer der Gräfin vorstellen.

In dem Bericht zu della Mottas Mission steht folgender Satz von Euch geschrieben „Jeder wurde nun einmal in seinen Stand geboren.“ Haltet Ihr es für gerecht, dass jemand aus der untersten Schicht des dritten Standes nicht die gleichen Möglichkeiten hat wie jemand aus dem Bürgertum oder gar dem Adel? 

Das ist keine Frage der Gerechtigkeit, sondern eine der Natur und es ist, wie es ist. Doch es ist die Pflicht der oberen Stände, ihre Aufgaben wahrzunehmen und für das Wohl der niederen zu sorgen. Eine hohe Geburt ist mit hoher Verantwortung verbunden.

Riccardo Visconti Marchese della Motta hat Euch über zwei Jahre lang nicht besucht und auch seine Briefe blieben aus. Wie habt Ihr Euch gefühlt als er auf einmal vor Euch stand? 

Sie blickt an mir vorbei und fächelt gedankenverloren. Ihr Gesichtsausdruck wird eine Spur weicher, sie spricht mehr zu sich selbst als zu mir.
Trotz seiner Maske erkannte ich ihn auf den ersten Blick, und ich fühlte seine Bewegungen mehr als dass ich sie sah. Der Augenblick überwältigte mich, meine Knie wurden weich wie die eines unbedarften Mädchens, und durch meine Adern strömte eine warme Welle des Glücks. Ich hatte nicht zu hoffen gewagt, ihn jemals wieder zu sehen, und als er so unvermutet vor mir stand, war mein erster Gedanke, dass ihn ein Auftrag zurückgeführt hätte. Doch als er mich zum Tanz führte und ich das Zittern seiner Hand spürte, zerfloss ich vor Liebe und hätte ihm alles verziehen.

Und seine Geheimniskrämerei? Könnt Ihr nachvollziehen, warum er Euch nicht in seine Pläne bzw. seine Mission einweiht? 
Der magische Moment ist vorbei, sie sieht mir wieder direkt ins Gesicht, und ihre grauen Augen werden hart.
Er behauptet, er wolle mich schützen, doch die Wahrheit ist, dass er niemanden in seine Pläne einweiht. Er sagt, als Schlangenkrieger müsse er so handeln, ich sage, er handelt wie ein Mann. In seiner männlichen Weisheit beschließt er, was richtig und gut ist, und verlangt uneingeschränktes Vertrauen. Mir ist bewusst, dass er mir weit mehr entgegenkommt als allen anderen, dennoch würde ich mir wünschen, dass er mir mehr erzählt. Das ist der Preis dafür, einen Mann wie ihn zu lieben.

Ohne jetzt den zukünftigen Lesern etwas zu verraten, aber mich würde dennoch interessieren, ob ihr Angst vor della Mottas Reaktion auf Euer Geheimnis hattet. Reagierte er so wie Ihr dachtet, dass er reagieren würde? 

Ich hatte unbeschreibliche Angst, denn ich wusste, wie er zu dem Thema stand. Seit unserer Begegnung im Ballsaal bis zu dem Moment, wo ich ihm mein Geheimnis enthüllte, musste ich immer wieder daran denken, dass seine Briefe ausgeblieben waren. Ich fürchtete, dass er mir auf immer den Rücken kehrt und rechnete mit allem, am meisten mit seinem Zorn. Dass der beste Schlangenkrieger selbst Angst hatte, wäre mir nicht im Traum eingefallen. Er war so tapfer, bemüht und gleichzeitig verlegen, dass ich ihn geküsst hätte, wären nicht Zeugen zugegen gewesen.

Eine letzte Frage. Nach allen den Geschehnissen zwischen Marchese della Motta und Euch sowie den Spannungen zwischen Fürstin Sophie und Euch, wie sehen da Eure Pläne für die Zukunft aus? 
 
Wenn ich daraus eines gelernt habe, dann dass es keinen Sinn macht, Pläne zu schmieden. Zunächst gilt es, die Entscheidung des Rates abzuwarten. Ich weiß, dass der Marchese seine Frage eines Tages wiederholen wird, und ich weiß, wie meine Antwort diesmal ausfällt. 

Noch einmal vielen Dank , dass Ihr Euch Zeit für mich genommen habt.   







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